Was ist eine Sackgasse?

Habe ich dieses Jahr eigentlich schon „Corona“ gesagt?

Ja, richtig, ich hatte es ja selbst. Oder besser: Ich war positiv. Ohne bedeutende Auswirkungen, was ich allen Lesern und auch Nicht-Lesern, die je dieses grausliche Testergebnis erhielten, ganz herzlich wünsche. Es ist ja, für mich, vorbei. Und das wünsche ich allen, die betroffen waren, ebenso herzlich.

Nicht vorbei ist das nunmehr über zwei Jahre währende Homeoffice. Und das habe ich während dieser Zeit richtig liebgewonnen. Die bislang geltende interne „Arbeitsschutzverordnung“ ist außer Kraft; wir könnten also alle wieder ins Büro kommen, unter gewissen (freiwilligen) Schutzmaßnahmen.

Zwar sollten wir uns nun nicht alle wild knutschend auf dem Boden herumwälzen, aber das war auch vorher in unserer Firma nicht Usus. Glaube ich zumindest zurzeit. Ich war ja die letzten zwei Jahre nicht dort. Einige Male im „Co working Space“, ja, aber auch nur, um mal wieder die leckere, endlich wieder zugängliche Kantine zu genießen.

Denn seien wir ehrlich: Die Mittagspause am Eck-Kiosk mit einem Kaffee und etwas Börek oder so kann auf Dauer keinen Athleten-Tarzan-Unterwegs-Gesund-Körper erhalten.

Wunderbar sichtbar von dort sind aber die fetten Schilder, die plötzlich aufgestellt waren.

Auf beiden Seiten der Straße steht fett und groß: „SACKGASSE!“

KEINE Wendemöglichkeit für Lkw. Zufahrt bis xx-Straße frei.

Aber eben nur bis dahin. Und nicht weiter.

Es ist nämlich:

SACKGASSE!

Nein, natürlich kann man es nicht begreifen. Was in aller Welt mag so ein Schild bloß für Autos bedeuten? Es ist doch komplett rätselhaft!

Die beiden großen Schilder verursachen eine verblüffende Verhaltensänderung der Autofahrer:

Wer vorher ohne zu zögern dort weiterfuhr, stoppt nun vor dem Schild, das stark betont: „Sie können dort hinten nicht weiterfahren!“ – und fährt dann weiter.

Ein faszinierendes Schauspiel. Tiefgreifende Einblicke in die Psyche Berliner Autofahrer. „Ich bin ich. Ich denke nicht daran, irgendetwas im Verkehr zu beachten, geschweige denn, mich daran zu halten. Ich bin ich. Punkt.“

Natürlich kommen alle nach etwa zwei Minuten zurück. Sie haben getan, was sie kraft ihrer, berlinerisch gen-bedingten Anti-Regeln-Psyche tun mussten: Sie waren dagegen, haben also das Gegenteil getan.

Der Kaffee ist leer, ich wandere mal aus Neugier diese Straße entlang. An der es dann hinten nicht mehr weitergeht. Vielleicht kann ich dann die beglückten Gesichter der Fahrer beim Wenden besser beobachten. Das beseelte Lächeln, das besagt: „Ich habe es getan. Ich bin dort hinein gefahren, obwohl das Schild NEIN sagte. Ich bin etwas ganz Besonderes. Ich bin Berliner. Ich lasse mich nicht von der Obrigkeit gängeln. Ich bin mein eigener Herr. Regeln gibt es für mich nicht. Ich bin Berliner. Ich bin eine Art Gott.“

So sieht das Ende einer „Sackgasse“ aus. Für Leute, die am „Sackgasse“-Schild vorbeifuhren, natürlich komplett unbegreiflich. Aber es gibt Platz zum Wenden, auch gern 200-mal am Tag

Am Ende der Sackgasse, wer hätte das gedacht, geht es nicht weiter. Und während ich die verzweifelten Wendemanöver der Fahrer vor der Baustelle beobachte, fällt mir gar nichts Triumphierendes in ihren Gesichtern auf. Wie merkwürdig. Wo sie doch mit voller Absicht dort hingefahren sind, um ihre übermenschliche Kraft gegenüber dem Schild „Sackgasse“ zu beweisen. Ich bin ich.

Was fällt mir statt dessen in den Gesichtern der Fahrer auf? Tja, was erwartet ihr denn? Was für einen Ausdruck könnte ich schreiben? Hmmm, überlegen … Nee, es kommt nichts.

Rein gar nichts. Aber wieso nur? Das ist doch seltsam. Sollte mein Gehirn genauso leer wie das dieser Fahrer sein? Das kann ich mir nicht vorstellen. Sicher ist es nur die Nervosität, weil ich zurück ins Homeoffice muss.

Gern hätte ich noch 397 Fotos von („Ich bin Gott, ich fahre da rein“) wendenden Fahrzeugen gemacht. Aber die Baustelle war schneller beendet, als man in Berlin z.B.einen Ausweis verlängern kann. Es muss eine Privatfirma gewesen sein.

Für diesmal also frohe Pfingsten! Und falls ihr nicht die Bahn nehmt: „Sackgasse“ heißt im Allgemeinen „Sackgasse“.

Ja, echt.

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