Alltags-Chaos. Verzichtbar

Zunächst mal sieht alles aus wie im Eimer. Also, als wäre alles im Eimer.

Und natürlich sind die Leute von der Filmcrew schuld. Aber nach Herbeiführung eines Wunders, eigentlich sogar gleich zwei, sieht alles doch ein wenig nach Gelingen aus. Ich muss mich dazu nur emsig bewegen, was mir Faultier nun doch gelegentlich unangenehm ist. Permanent-Homeoffice, Sie verstehen …

Doch der Reihe nach: Bekanntermaßen bin ich gelegentlich Filmkomparse. Sehr viel seltener, als die Anfragen der Agentur kommen. Ich muss viel absagen, weil ich auch einen ernsthaften Job habe. Der mich nicht berühmt macht, aber ernährt.

Anders irTaxis,yellow ccabs,gendwann letztes Jahr. Nicht ich wurde gebraucht, sondern mein wunderschönes Auto. Es sollte eine New-York-Szene aufhübschen, neben den berühmten gelben Taxis, von Weltmännern „yellow cabs“ genannt. Nachdem es hübsche NY-Nummernschilder bekam, konnte ich nach Haus, einem ernsthaften Job nachgehen. Leicht verdientes Geld bis zur Wiederabholung.

Ja, wir sind noch am Setting. Aber der Japaner auf der „5th Avenue“ ist schon „vorbereitet“

Abends stand es noch unversehrt am gleichen Platz in New York, also Berlin-Charlottenburg herum. Mit New Yorker Nummernschildern. Jemand von der Filmcrew schraubte rasch „meine“ wieder an, Ciao, vielen Dank. Das vordere etwas wackelig, aber das behob ich später film-stress-frei zu Hause. So. Nun saß es fest. Na ja, vielleicht nicht so ganz.

New York, New York. Das Hochhaus hinten ist Berlin-mäßig keine 120 Stockwerke hoch. Und was man erst aus meinem Berliner Wagen gemacht hat: Himmlisch. Leider mit unschönen Folgen

Überblenden. Gegenwart. Juni 2022.

Wie die Zeit vergeht: schon wieder TÜV fällig. Da er nicht bei der Berliner Verwaltung stattfindet, bekomme ich blitzartig einen Termin. Noch vorm beginnenden Urlaub. Dessen erstes Teilstück ohnehin mit dem 9-Euro-Ticket der Bahn gefahren wird. Falls beim TÜV etwas Unvorhergesehenes passiert.

Um den TÜV-Prüfer gnädig zu stimmen, gibt’s eine schöne Wagenwäsche vorher, mit allem Pipapo, gern auch Unterboden. Rückwärts aus der Schrägpark-Bucht raus, durch drei, vier Sträßchen zur Waschanlage. Erst mal Hochdruck-Schlauch, einmal ganz herum. Und da ist etwas Unvorhergesehenes. Schon vor dem TÜV-Termin.

Das vordere Kennzeichen ist weg.

Hm.

Ruhe bewahren. Trocknen. Staubsaugen. Wagen verlegen-unauffällig an der Hecke stehen lassen. Fußmarsch zurück, mit scharfem Blick am Straßenrand entlang, bis zu „meinem“ Parkplatz. Nichts. Das Scheppern hätte ich doch wohl auch gehört. Vielleicht ist es ja schon viel länger weg. Bin ja bekanntlich hin und wieder unterwegs.

Zurück zur Waschanlage, starten. Noch knapp eineinhalb Kilometer durch Wohnstraßen zur TÜV-Werkstatt. Da dieser Berliner Stadtteil seit Langem rechtsfreier Raum ohne Polizei ist, kann man das mal machen. Und das hintere Kennzeichen sieht ja auch sehr hübsch aus.

In der Werkstatt ist man skeptisch. Zwar werden neue TÜV- und Abgasplakette hinten aufgeklebt, aber das fehlende vordere Kennzeichen könnte den Gesamteindruck vielleicht doch irgendwie … stören.

Stören würde auch, ohne das Ding am übernächsten Wochenende in den Urlaub zu starten. Quer durch die Republik. Auf die ganzen blöden Blicke könnte ich gut verzichten. Obwohl: Die Radarblitzer hätten dann … Ja, schon gut.

Heimweg. Zu Fuß. Handy. Hitze. Ich kann keine der „… dann drücken Sie …“-Funktionen nutzen, muss das Gedudel ertragen, bis sich wer meldet. Natürlich ist die nahe Zulassungsstelle bis in alle Ewigkeit ausgebucht. Das ist seltsam, da genau dort alle links-grünen Autohasser der Republik versammelt sind. Irgendwo unlogisch. Aber ich will nicht polemisieren. Vielleicht sind alle diese Termine ja Abmeldungen.

Ein Wunder: Ich bekomme einen Termin in der etwas entfernteren Zulassungsstelle Lichtenberg. Dank seiner eigentümlichen Geschichte hat Berlin ja alles doppelt, also auch im „Ostsektor“. Gleich Montagmorgen also. „Die Mail ist jetzt eben an Sie raus.“ Denn eine Mail muss man schon haben, als Terminbestätigung. Sonst könnte ja jeder mit irgendeinem Anliegen einfach so aufs Amt kommen. Undenkbar. Also in Berlin.

9.30 Uhr also. Im fernen Lichtenberg. Kann eng werden. Schließlich soll am selben Tag mein Urlaub starten. Mit dem 9-Euro-Ticket per Bahn nach Stettin. Frau Hiob macht es genauso, sie nimmt die 6 Stunden lange Querroute von Hamburg über Lübeck.

Zehn Minuten später das zweite Wunder. Die Mail ist nicht da, neuer Anruf, ein Mensch dran. Ja, ein Mensch. Den Termin hat er klar vor der Nase, auch, dass in der Mail ein Punkt fehlte. „Die wird jetzt im Nirwana sein, so, Moment, ich mach neu … jetzt. Wollen Sie mal schauen?“

Ping! Terminbestätigung da. Berlin. Stadt voller Wunder.

Jetzt weiß ich gewiss, dass ich um 9.30 Uhr in der Zulassungsstelle Lichtenberg erwartet werde. Und der Urlaubs-9-Euro-Zug nach Stettin fährt um 11.39 Uhr von Berlin-Gesundbrunnen. Warum eigentlich nicht mehr von Lichtenberg? Ach ja, die Bauarbeiten am Karower Eisenbahnkreuz sind beendet. Kenner wisssen das. Sollte ich mein Köfferchen schon mitnehmen? Andererseits: Was soll ich mit zwei Autokennzeichen im Gepäck in Stettin?

Oder ich nehme den 11.49 von Berlin-Gesundbrunnen. Mit dem könnte ich in Neubrandenburg den Zug entern, in dem, von Lübeck kommend, Frau Hiob sitzt. Welch Überraschung! Wir könnten dann gemeinsam höchst kriminell die polnische Grenze überqueren. Mit einem eigentlich nur deutschen Ticket. Könnte klappen. Es soll Typen geben, die ohne vorderes Kfz-Kennzeichen kreuz und quer durchs dicht besiedelte Kreuzberg gondeln. Schockierende Abenteuer. Wunderbar.

Kennzeichenhalter, nicht teuer, z.B. von kaufland.de (Foto-Urheber). Aber Bremen? Na ja

Weniger wunderbar ist, dass ich das einzige mir gebliebene Kennzeichen auch noch zur Zulassungsstelle mitbringen soll. Die Nummer wird nämlich komplett gesperrt und an die Polizei übermittelt, ich werde eine völlig neue bekommen. Leider obligatorisch, da mit einem gestohlenen oder auch nur gefundenen Kennzeichen viel Unfug getrieben werden kann.

Schade, ich hatte mich dran gewöhnt. Mit zunehmendem Alter freut man sich doch, wenn ein Kennzeichen aus den Initialen und dem Geburtsdatum besteht. Es vereinfacht die Suche so schön auf großen Supermarkt-Parkplätzen.

Der letzte Satz war natürlich totaler Scherz.

Klar, dass man dieses schönste aller Autos überall wiederfindet. Hätte es sonst die Filmcrew begeistert in „New York“ auf dem Set stehen lassen? Mit schicken „NY“-Kennzeichen? Diese Dilettanten.

Hoffentlich kriege ich Montag den Zug nach Stettin.

Stressfreies Wochenende wünsche ich!

2 Gedanken zu “Alltags-Chaos. Verzichtbar

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